2026
All I Do Is Win
Ein physischer Task-Drucker für digitale Todos.
[VIDEO: print, pin, scan, DJ Khaled]
ROLE
Designer, Builder, einziger Nutzer
STACK
Next.js, Todoist API, Webhook, Thermodrucker, USB QR Scanner
STATUS
Live in meinem Büro. Täglicher Einsatz.
YEAR
2026
THE PITCH
Digitale Todos verschwinden. Man schreibt einen auf, er scrollt aus dem Blickfeld, und das Gehirn hört auf, sich darum zu kümmern. Also habe ich das Gegenteil gebaut: eine kleine Web-App, die mit meiner Todo-Liste spricht, einzelne Tasks als physische Quittungen druckt und an ein Pinboard an meiner Wand hängt. Wenn ich einen erledige, scanne ich den QR-Code. Der Task schließt sich im System, und All I Do Is Win von DJ Khaled läuft über die Lautsprecher.
It's stupid. It works.
MAKE.
Angefangen mit einem handelsüblichen 80mm Thermodrucker, wie ihn jedes Restaurant benutzt. Eine Next.js Web-App gebaut mit einem Print-Button, der über API mit meinem Todoist-Account verbunden ist. Der Button feuert einen Webhook, der den Drucker auslöst. Jede Quittung trägt Task-Titel, Fälligkeitsdatum, Priorität und einen eindeutigen QR-Code.
Ein USB-Barcode-Scanner läuft nebenbei und wartet auf Scans. Wenn ich eine Quittung scanne, wird der Task in Todoist als erledigt markiert und All I Do Is Win spielt, voller DJ Khaled Drop, jedes Mal.
Das Pinboard über meinem Schreibtisch hält alles, woran ich gerade arbeite. Ich schiebe Quittungen hin und her, um zu priorisieren. Ich clustere verwandte Tasks. Wenn das Board leer ist, ist der Tag fertig.
BREAK.
Den Quittungsdrucker habe ich bei eBay Kleinanzeigen gekauft. Ohne zu prüfen, ob es Apple-Treiber gibt. Gab es nicht. Das Ding läuft ausschließlich auf Windows. Erste Lektion: Hardware-Specs lesen, bevor man kauft.
Die Todoist API hat sich erst mal geweigert mit mir zu reden. Beim Debuggen habe ich einen Screenshot von einer Fehlermeldung an ein LLM geschickt und auf dem Screenshot war mein API-Key zu sehen. Das LLM hat sofort reagiert: Key ist jetzt öffentlich, lösch ihn, generiere einen neuen, trag den nochmal überall ein. Genau das habe ich dann gemacht.
Dann der Rendering-Spaß. Ein Quittungsdrucker druckt nicht wie ein Tintenstrahler, sondern erwartet ein eigenes ASCII-basiertes Format. Mein erster Druck sah aus wie ein Pixelhaufen. Ich musste eine kleine Layer schreiben, die mein Template in das Format des Druckers übersetzt, damit Task, QR-Code und Priorität sauber lesbar rauskommen.
LEARN.
Die echte Erkenntnis war nicht Produktivität. Es war Physikalität als Forcing Function. Ein digitaler Todo mit 47 Geschwistern hat kein Gewicht. Eine Papierquittung neben vier anderen hat offensichtliche Priorität, offensichtliches Clustering, offensichtliche Ziellinie.
Die Audio-Belohnung ist absichtlich albern. Dopamin ist real. Wenn sich Abschließen wie Gewinnen anfühlt, macht man es öfter. Eine Checkbox schafft das nicht. DJ Khaled schon.
Das ist, was humans first, tools second in der Praxis bedeutet. Das Tool ist nicht schlau, es ist ein Drucker mit einem Webhook. Aber es passt dazu, wie ich tatsächlich arbeite, anstatt zu verlangen, dass ich mich anpasse.
REPEAT.
Das Prinzip lebt mittlerweile auch außerhalb vom Drucker weiter. Im Büro hängt jetzt ein Whiteboard, an dem ich Magnete mit Tasks pinne. Gleiche Logik wie der Pinboard-Workflow, nur ohne Receipt.
In der Küche steht eine Schüssel mit Zetteln. Drin sind genau die Tasks, die man immer wieder verschiebt, weil sie unangenehm sind, weil sie keine Deadline haben oder weil sie nie zur richtigen Tageszeit auftauchen. Jede Woche ziehen meine Partnerin und ich je einen Zettel. Dann gibt es keine Ausrede mehr. Wer zieht, macht.
Das ist das eigentliche Pattern: Physikalität als Forcing Function. Ob der Drucker am Ende noch dazukommt oder die Schüssel, ist eigentlich egal. Hauptsache, die Tasks haben Gewicht in der echten Welt.